Sicherheit
Bewerbungsprozess

Fake-Stellenanzeigen erkennen

Datenklau, Vorkasse, Karteileichen: die acht Warnsignale, die Fünf-Minuten-Prüfung und was du tust, wenn du schon geantwortet hast.

Cagri Ersöz ·

Die Anzeige liest sich gut: Homeoffice, Gehalt deutlich über dem, was du kennst, Einstieg sofort, Vorkenntnisse nicht nötig. Der Kontakt läuft über eine Gmail-Adresse, das Gespräch soll per Chat stattfinden, und vorab brauchen sie nur schnell eine Kopie deines Ausweises. Bis zu diesem Punkt hat dich die Anzeige nichts gekostet. Ab dem Moment, in dem du die Kopie schickst, schon.

Fake-Stellenanzeigen erkennen ist keine Frage von Bauchgefühl, sondern eine kurze Routine, die vor die Bewerbung gehört. Wie der Rest des Verfahrens abläuft, steht im Guide zum Bewerbungsprozess. Hier geht es um den Schritt davor: Ist die Stelle überhaupt echt?

Warum es Fake-Anzeigen überhaupt gibt

Drei Motive erklären fast alles, was dir begegnet, und sie erzeugen sehr unterschiedliche Anzeigen.

Datenklau. Hier ist die Bewerbung das Produkt. Ein Lebenslauf ist ein vollständiger Datensatz: Name, Geburtsdatum, Anschrift, Telefonnummer, Arbeitgeberhistorie. Das reicht für Werbung und für Phishing-Mails, die plötzlich sehr persönlich klingen. Kommt eine Ausweiskopie dazu, reicht es für Verträge auf deinen Namen.

Vorschussbetrug. Geld fließt, bevor Arbeit stattfindet: für Schulungsunterlagen, eine angebliche Sicherheitsüberprüfung, den Arbeitslaptop. Die härteste Variante ist die Finanzagenten-Masche, bei der du Zahlungen "weiterleiten" oder Pakete umverpacken sollst. Das ist Geldwäsche nach § 261 StGB, und strafrechtlich stehst am Ende du da, nicht der Absender; die polizeiliche Kriminalprävention führt die Masche unter genau diesem Namen.

Karteileichen und Markttests. Keine kriminelle Absicht, nur verlorene Zeit. Die Stelle ist längst besetzt, die Anzeige läuft weiter, weil sie niemand abschaltet. Oder eine Vermittlung sammelt Profile auf Vorrat. Erkennbar daran, dass sich seit Monaten kein Wort ändert und jede Nachfrage im Nichts verläuft.

Die acht Warnsignale

Ein einzelnes Signal ist selten ein Beweis. Zwei sind ein Grund, genauer zu lesen. Drei sind eine Absage.

1. Ein Gehalt, das nicht zur Aufgabe passt. Verdächtig ist nicht die fehlende Gehaltsangabe, die ist in Deutschland üblich. Verdächtig ist die zu hohe. Wer dir für Dateneingabe von zu Hause ohne jede Vorerfahrung ein Gehalt verspricht, das weit über dem liegt, was ausgebildete Fachkräfte bekommen, beschreibt keinen Arbeitsmarkt, sondern einen Köder.

2. Keine Firmenangabe. "Unser Mandant, ein führendes Unternehmen im Raum Köln" ist bei Personalberatungen bis zum ersten Gespräch normal. Wenn aber auch auf direkte Nachfrage kein Name kommt, ist das keine Diskretion mehr.

3. Vorkasse in jeder Form. Kein seriöser Arbeitgeber in Deutschland lässt Bewerber zahlen. Nicht für Schulungen, nicht für Software, nicht für Kleidung, nicht für die "Bearbeitung" eines Führungszeugnisses. Diese Regel hat keine Ausnahme, auch keine, die dir jemand am Telefon erklärt.

4. Die Kontaktadresse gehört keiner Firma. Eine Personalabteilung schreibt nicht von einer Gratis-Mail-Adresse. Genauso wichtig sind Domains, die fast stimmen: firma-karriere.net statt firma.de, oder ein zusätzlicher Bindestrich, den die echte Adresse nicht hat. Lies den Teil hinter dem @ Zeichen für Zeichen.

5. Zeitdruck. "Nur heute", "wir haben noch zwei Plätze", "bitte antworten Sie innerhalb von 24 Stunden". Echte Einstellungsverfahren dauern Wochen und gehen über mehrere Beteiligte. Eile ist bei seriösen Prozessen die Ausnahme, bei Betrug das Prinzip.

6. Das Vorstellungsgespräch findet im Messenger statt. Ein Video-Call über ein Firmenkonto ist Alltag. Ein getippter Chat auf WhatsApp oder Telegram, an dessen Ende eine Zusage steht, ist es nicht. Der Grund ist banal: kein Gesicht, keine Stimme, nichts, was sich später zuordnen lässt.

7. Kein Impressum. Jede geschäftsmäßige deutsche Website braucht nach § 5 DDG eine Anbieterkennung mit Name, Anschrift, Vertretungsberechtigten und Registereintrag. Fehlt sie, oder findest du dort nur ein Kontaktformular, ist das ein Rechtsverstoß und ein Warnsignal in einem.

8. Die Bewerbung läuft ausschließlich über ein fremdes Formular. Ein Bewerbersystem mit eigener Adresse ist normal, große Firmen nutzen alle eines. Auffällig wird es, wenn ein Umfrage- oder Formulardienst deine vollständigen Daten einsammelt und keine einzige Spur zurück auf die Website der Firma führt.

Die Firma prüfen, in fünf Minuten

Diese vier Schritte reichen für eine belastbare Einschätzung, mit nichts als einem Browser.

Die Gegenprobe auf der Karriereseite. Der stärkste Echtheitsbeweis überhaupt: Steht dieselbe Stelle mit derselben Kennziffer auch auf der Website des Unternehmens? Dann ist die Anzeige echt, unabhängig davon, wo du sie gefunden hast. Steht sie dort nicht, ist das noch kein Urteil, aber die erste Frage, die du stellst.

Das Impressum lesen, nicht nur finden. Gib die Anschrift in einen Kartendienst ein und sieh nach, was dort steht. Ein Bürogebäude ist unauffällig. Eine reine Postfachadresse, ein Wohnhaus im Ausland oder eine Anschrift, unter der laut Suchmaschine Dutzende weitere Firmen sitzen, ist es nicht.

Das Handelsregister. Der Abruf über handelsregister.de ist kostenlos. Gibt es die GmbH unter genau diesem Namen? Passt der Sitz zur Anzeige? Wann wurde sie eingetragen? Eine junge Firma ist kein Betrüger, aber eine seit drei Wochen existierende Gesellschaft mit breit gestreuter Anzeigenkampagne sollte man sich erklären lassen.

Suchmaschine und Bewertungsportale. Firmenname plus "Erfahrungen", "Betrug" oder "Fake". Wer vor dir hereingefallen ist, hat es meistens irgendwo aufgeschrieben, in einem Forum, in einer Rezension. Auffällig ist auch das Gegenteil: dutzende Fünf-Sterne-Bewertungen innerhalb weniger Tage.

Was du nie vorab schickst

Bewerbungsunterlagen sind Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnisse. Alles, was darüber hinausgeht, gehört in die Zeit nach der Vertragsunterschrift, und zwar ausnahmslos.

Die Ausweiskopie. Für eine Bewerbung ist sie nie nötig. Ein Arbeitgeber prüft deine Identität beim Eintritt, persönlich, mit dem Original in der Hand. Wer vorab eine Kopie verlangt, sucht kein Personal.

Kontodaten. Die IBAN braucht die Lohnbuchhaltung, und die wird erst tätig, wenn es einen Vertrag gibt. Vorher hat niemand einen Grund, danach zu fragen.

Sozialversicherungsnummer und Steuer-ID. Beide kommen mit dem Personalfragebogen nach der Zusage, meistens über ein geschütztes System des Arbeitgebers, nie per Chat.

Dazu gehören Selfies mit dem Ausweis in der Hand, Gesundheitsangaben, Zugangsdaten und jede "Verifizierung" über einen zugeschickten Link. Wenn du unsicher bist, hilft eine einzige Umkehrfrage: Was passiert, wenn ich das erst nach dem Vertrag liefere? Bei einem echten Arbeitgeber passiert nichts. Wie wir bei Jobvin mit deinen Bewerbungsdaten umgehen und was wir bewusst nicht tun, steht auf der Seite zur Datensicherheit.

Wenn du schon geantwortet hast

Erst einmal: Das passiert vielen, und die meisten Fälle enden bei lästiger Werbung. Die folgenden Schritte sind trotzdem in dieser Reihenfolge sinnvoll.

Kontakt abbrechen. Ohne Erklärung, ohne letzte Nachricht. Du schuldest niemandem eine Begründung, und jede Antwort bestätigt nur, dass die Adresse aktiv ist.

Beweise sichern, bevor sie verschwinden. Screenshots der Anzeige, den Mailverkehr als Datei, den Chatverlauf, Kontoauszüge, Telefonnummern und Adressen. Fake-Anzeigen werden schnell gelöscht, und ohne sie wird jede Meldung mühsam.

Bank anrufen, falls Geld geflossen ist. Sofort, nicht am nächsten Tag. Eine frische Überweisung lässt sich manchmal noch aufhalten. Hast du einen Scheck bekommen und sollst einen Teil zurücküberweisen: auf keinen Fall überweisen, der Scheck platzt Wochen später und das Geld ist deins gewesen.

Anzeige erstatten. Bei jeder Polizeidienststelle oder über die Onlinewache deines Bundeslandes, erreichbar über das Portal der Polizei. Auch wenn kein Geld weg ist: Erst die Anzeigen machen die Masche sichtbar.

Die Plattform melden. Jede große Jobbörse hat eine Meldefunktion an der Anzeige. Das dauert eine Minute und nimmt der Anzeige die nächsten Opfer.

Beratung holen. Die Verbraucherzentrale kennt die aktuellen Maschen. Bei Datenmissbrauch ist zusätzlich die Datenschutzaufsicht deines Bundeslandes zuständig, deren Anschriften der Bundesbeauftragte für den Datenschutz auflistet. Auskunft darüber, welche Daten über dich gespeichert sind, kannst du nach Art. 15 DSGVO verlangen.

Was rechtlich in deinem Fall gilt, kann dieser Artikel nicht sagen, dafür gibt es die Beratungsstellen. Was du in der ersten Stunde tun kannst, steht oben.

Wo du suchst, damit sich die Frage seltener stellt

Die beste Prüfung ist die, die du dir sparst, weil die Quelle schon stimmt.

Karriereseiten direkt. Eine Anzeige auf der eigenen Domain eines Unternehmens ist praktisch nie gefälscht. Der Job-Scanner beobachtet genau diese Seiten für dich und meldet neue Stellen, sobald sie dort erscheinen, statt dass du die Karriereseiten wöchentlich von Hand durchklickst.

Die Stellendatenbank der Bundesagentur für Arbeit. Sie ist die größte öffentliche Quelle in Deutschland, Arbeitgeber sind dort registriert, und du kannst sie über die Jobsuche ohne Anmeldung durchsuchen. Vollständig gegen Missbrauch ist auch sie nicht, aber die Hürde liegt spürbar höher.

Große Jobbörsen mit Prüfprozess. Sie kontrollieren Inserenten, ziehen aber gleichzeitig Anzeigen automatisch von anderen Seiten. Was über einen Aggregator hereinkommt, prüfst du wie eine fremde Anzeige.

Dein Netzwerk. Eine Stelle, die dir jemand nennt, der dort arbeitet, ist verifiziert, bevor du das erste Wort geschrieben hast.

Fake-Anzeigen verschwinden nicht, weil du genauer hinsiehst. Aber sie kosten dich dann nur noch die fünf Minuten, die das Prüfen dauert, statt deiner Ausweiskopie.

Häufige Fragen

Woran erkenne ich eine Fake-Stellenanzeige sofort?

An zwei Dingen, die keine Ausnahme kennen: Es soll Geld von dir fließen, oder du sollst Ausweis- und Kontodaten schicken, bevor irgendein Vertrag existiert. Beides kommt bei echten Arbeitgebern nicht vor. Alle anderen Signale sind Verdachtsmomente und werden erst im Zusammenspiel eindeutig.

Wo melde ich eine Fake-Stellenanzeige?

Zuerst bei der Jobbörse selbst, jede große Plattform hat eine Meldefunktion. Bei Betrugsverdacht kommt die Anzeige bei der Polizei dazu, vor Ort oder über die Onlinewache deines Bundeslandes. Ist Geld geflossen, gehört die Bank in dieselbe Stunde.

Sind Headhunter-Anfragen echt?

Meistens ja. Seriöse Personalberater nennen ihren eigenen Namen, ihre Firma und spätestens im Gespräch den Auftraggeber, und sie verlangen nie Geld oder Ausweiskopien. Prüf das Profil der Person und ob die Beratung unter der angegebenen Anschrift wirklich existiert.

Was passiert mit meinen Daten aus einer Fake-Bewerbung?

Ein Lebenslauf allein landet meistens in Adressdatenbanken für Werbung und Phishing, deshalb häufen sich danach seltsame Mails und Anrufe. Kritisch wird es, wenn Ausweiskopie, Geburtsdatum und Kontodaten zusammenkommen, weil das für Verträge auf deinen Namen reicht. Auskunft über gespeicherte Daten kannst du verlangen, bei einem unseriösen Empfänger führt das allerdings selten irgendwohin.

Anzeigen direkt an der Quelle bekommen

Der Job-Scanner beobachtet die Karriereseiten der Firmen, die dich interessieren, und meldet neue Stellen dort, wo sie nicht gefälscht sein können.

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