Ratgeber
Bewerbungen nachweisen

Der AVGS: Coaching, das dich nichts kostet

Wer den Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein bekommt, was er abdeckt und wie du ihn beantragst.

Cagri Ersöz

Bewerbungscoaching mit AVGS-Gutschein
Bewerbungscoaching mit AVGS-Gutschein

Es gibt eine Förderung, die überraschend wenige kennen und die genau da ansetzt, wo das Problem oft wirklich liegt: nicht bei der Zahl der Bewerbungen, sondern bei ihrer Wirkung. Der Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein, kurz AVGS, bezahlt ein Coaching, eine Bewerbungsberatung oder eine private Vermittlung, und für dich ist er kostenlos.

Dieser Artikel erklärt, was er abdeckt, wie du ihn bekommst und wie du einen seriösen Träger von einem unseriösen unterscheidest. Der Rahmen dazu steht im Guide zu den Eigenbemühungen.

Rechtsstand: August 2026. Orientierung, keine Rechtsberatung.

Was der AVGS ist

Rechtsgrundlage ist § 45 SGB III, die Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung. Der Gutschein ist die Form, in der diese Förderung ausgegeben wird: Du bekommst ein Dokument, suchst dir dafür einen zugelassenen Anbieter, und der rechnet direkt mit der Agentur ab.

Auf dem Gutschein steht, was er abdeckt. Meist sind das drei Angaben: das Ziel der Maßnahme, ein Gültigkeitszeitraum und häufig ein regionaler Rahmen. Das ist wichtig, weil ein Gutschein für "Vermittlung" kein Coaching bezahlt und umgekehrt.

Zwei Varianten begegnen einem in der Praxis. Der AVGS für Maßnahmen deckt Coaching, Bewerbungstraining, Kompetenzfeststellung und ähnliche Angebote ab. Der AVGS für private Arbeitsvermittlung bezahlt einen Vermittler, der dich in eine Stelle bringt, und wird typischerweise erfolgsabhängig ausgezahlt.

Was er bezahlt

Der Zuschnitt ist breiter, als der Name vermuten lässt:

  • Bewerbungscoaching: Unterlagen, Strategie, Ansprache, Interviewtraining
  • Einzelcoaching bei besonderen Themen, etwa Wiedereinstieg nach längerer Pause oder beruflicher Neuorientierung
  • Kompetenzfeststellung, wenn unklar ist, wohin es gehen soll
  • Private Arbeitsvermittlung durch einen zugelassenen Vermittler
  • Maßnahmen bei einem Arbeitgeber, also eine betriebliche Erprobung

Was er nicht bezahlt, ist fachliche Weiterbildung im engeren Sinn. Ein Sprachkurs, eine Umschulung, ein Zertifikatslehrgang laufen über den Bildungsgutschein, und das ist ein anderer Paragraf. Woran du erkennst, welcher Weg für dich der richtige ist, steht weiter unten.

Wer ihn bekommt

Hier lohnt eine Unterscheidung, die in vielen Ratgebern verwischt wird.

Für die private Arbeitsvermittlung kennt § 45 SGB III einen Anspruch: Wer während des Bezugs von Arbeitslosengeld nach sechs Wochen Arbeitslosigkeit noch nicht vermittelt ist, hat auf diesen Gutschein einen Anspruch. Das ist mehr als Ermessen, und darauf darfst du dich berufen.

Für Coaching- und Aktivierungsmaßnahmen ist es eine Ermessensleistung. Die Agentur entscheidet im Einzelfall, ob die Maßnahme notwendig ist, um deine Vermittlung zu verbessern. Das klingt nach Hürde, ist praktisch aber gut machbar, wenn du den Bedarf konkret benennen kannst.

So beantragst du ihn

Der Weg führt über das Gespräch mit deiner Vermittlungsfachkraft. Was dort zieht, ist eine konkrete Diagnose statt eines allgemeinen Wunsches.

Schwach:

Ich hätte gern ein Bewerbungscoaching.

Stark:

Ich habe seit Januar 24 Bewerbungen geschrieben und zwei Einladungen bekommen. In den beiden Gesprächen bin ich bei den Fragen zu meiner Elternzeit ins Straucheln gekommen. Ich brauche jemanden, der mit mir die Unterlagen und diese Gesprächssituation durchgeht.

Der zweite Satz nennt Zahlen, benennt den Engpass und beschreibt, was die Maßnahme leisten soll. Genau das braucht die Fachkraft für ihre Begründung. Deine Bewerbungsliste ist dabei das Material, aus dem die Zahlen kommen.

Wenn dir zusätzlich Kosten für die Bewerbungen selbst entstehen, kläre beides im selben Termin. Die Nachweise dafür führst du wie im Artikel Eigenbemühungen nachweisen.

Träger finden und prüfen

Der Anbieter muss nach der AZAV zugelassen sein, der Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung. Ohne diese Zulassung darf er nicht über den Gutschein abrechnen, egal wie gut das Angebot klingt.

Fünf Punkte, an denen du einen seriösen Träger erkennst:

  1. Die Zulassung wird von sich aus genannt, mit Angabe der Maßnahmennummer.
  2. Keine Zuzahlung. Wer zusätzlich Geld von dir will, hat entweder keine passende Zulassung oder verkauft dir etwas, das nicht im Gutschein steht.
  3. Ein konkretes Programm statt Schlagworten. Wie viele Stunden, welche Inhalte, Einzel- oder Gruppensetting, vor Ort oder online.
  4. Kein Druck. "Der Gutschein läuft ab, unterschreib heute" ist ein Verkaufsmittel, kein Argument.
  5. Erreichbare Ansprechpartner und eine Adresse, die es wirklich gibt.

Nimm dir außerdem heraus, mehrere Anbieter anzusehen. Der Gutschein gehört dir, die Wahl auch. Was ein gutes Coaching inhaltlich abdeckt, kannst du hier nachlesen: Bewerbungscoaching.

AVGS oder Bildungsgutschein?

Die Abgrenzung ist einfacher, als sie aussieht, und sie hängt an einer Frage: Fehlt dir eine Qualifikation oder fehlt dir die Wirkung?

Wenn dir eine Qualifikation fehlt, also ein Schein, ein Zertifikat, eine Fahrerlaubnis, ein Abschluss, ist der Bildungsgutschein der richtige Weg. Er läuft über § 81 SGB III und finanziert Weiterbildungen und Umschulungen.

Wenn deine Bewerbungen nicht wirken, obwohl du fachlich passt, ist der AVGS richtig. Er finanziert die Arbeit an Unterlagen, Ansprache und Auftreten.

Beides schließt sich nicht aus. Es kommt vor, dass ein Coaching zuerst klärt, welche Richtung überhaupt Sinn ergibt, und danach eine Weiterbildung folgt. Nur beantragt wird beides getrennt, weil es zwei verschiedene Leistungen sind.

Was passiert, wenn du abgelehnt wirst

Eine Ablehnung ist bei einer Ermessensleistung kein Urteil über dich, sondern eine Entscheidung, die begründet sein muss. Drei Wege stehen dir offen.

Nachfragen. Häufig ist der Grund banal: Die Begründung war zu allgemein, die Notwendigkeit nicht erkennbar, oder es fehlte die Angabe, was die Maßnahme konkret bewirken soll. Ein zweiter Anlauf mit Zahlen aus deiner Bewerbungsliste löst das oft.

Widerspruch. Die Ablehnung ist ein Bescheid mit Rechtsbehelfsbelehrung. Die Frist steht dort, in der Regel ein Monat. Schriftform, Aktenzeichen, ein Satz reichen, die Begründung kannst du nachreichen.

Den anderen Weg prüfen. Manchmal ist nicht der Gutschein falsch, sondern die Kategorie. Wer eigentlich eine Qualifikation braucht, kommt über den Bildungsgutschein weiter, und umgekehrt.

Was du nicht tun solltest: die Sache stillschweigend fallen lassen. Der häufigste Grund, warum jemand keinen AVGS bekommt, ist nicht die Ablehnung, sondern dass nie jemand danach gefragt hat.

Häufige Fragen

Habe ich Anspruch auf einen AVGS?

Für die Vermittlung durch einen privaten Arbeitsvermittler kennt § 45 SGB III einen Anspruch, wenn du während des Bezugs von Arbeitslosengeld nach sechs Wochen Arbeitslosigkeit noch nicht vermittelt bist. Für Coaching-Maßnahmen bleibt es bei einer Ermessensentscheidung.

Was kostet mich das Coaching?

Nichts. Der Gutschein deckt die Maßnahme ab, der Träger rechnet direkt mit der Agentur ab. Achte darauf, dass der Träger keine Zuzahlung verlangt; das wäre ein Warnsignal.

Kann das Amt den AVGS ablehnen?

Bei Coaching-Maßnahmen ja, weil es eine Ermessensleistung ist. Eine Ablehnung ist ein Bescheid mit Rechtsbehelfsbelehrung, gegen den du Widerspruch einlegen kannst.

Wie lange ist er gültig?

Auf dem Gutschein steht ein Gültigkeitszeitraum, oft wenige Wochen bis Monate, dazu der zulässige Inhalt und häufig ein regionaler Rahmen. Läuft er ab, bevor du einen Träger gefunden hast, musst du neu beantragen.

Coaching für deine Bewerbung

Was ein Bewerbungscoaching abdeckt und wie es abläuft.

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