Kompletter Guide
Lebenslauf

Lebenslauf schreiben: der komplette Guide

Aufbau, Pflichtangaben, Design, ATS und die Fehler, die dich Interviews kosten. Alles an einem Ort, in der Reihenfolge, in der du es brauchst.

Cagri Ersöz ·

Du hast fünf Sekunden. So lange schaut jemand auf deinen Lebenslauf, bevor er entscheidet, ob er weiterliest. In diesen fünf Sekunden sucht er drei Dinge: Was machst du gerade, was hast du davor gemacht, passt das zu der Stelle, die er besetzen muss. Findet er das nicht sofort, landet die Bewerbung auf dem Stapel, den niemand zweimal anfasst.

Die gute Nachricht: Ein Lebenslauf ist kein Kreativwettbewerb. Er folgt in Deutschland festen Konventionen, und wer sie kennt, hat einen handwerklichen Vorteil gegenüber allen, die improvisieren. Dieser Guide geht sie der Reihe nach durch, von der Grundstruktur bis zu den Fehlern, die immer wieder dieselben sind.

Der tabellarische Lebenslauf im Überblick

In Deutschland heißt Lebenslauf fast immer: tabellarisch. Links stehen Zeiträume, rechts steht, was du in dieser Zeit gemacht hast. Der ausformulierte Lebenslauf in Prosa ist ein Sonderfall, den heute noch manche Behörden und einzelne kirchliche Träger verlangen. Steht nichts anderes in der Anzeige, ist die tabellarische Form gemeint.

Die Bausteine sind seit Jahrzehnten dieselben, und ihre Reihenfolge ist keine Geschmacksfrage:

  1. Kopfbereich mit Name und Kontaktdaten, optional mit Foto
  2. Kurzprofil (drei bis vier Zeilen, optional, aber wirkungsvoll)
  3. Berufserfahrung
  4. Ausbildung und Studium
  5. Kenntnisse, Sprachen, Software
  6. Weiterbildungen und Zertifikate, wenn du welche hast
  7. Ehrenamt, Projekte, Hobbys, wenn sie etwas belegen
  8. Ort, Datum, Unterschrift

Was du nicht brauchst: eine Überschrift wie "Bewerbung als", die gehört ins Anschreiben. Keine Zielformulierung im amerikanischen Stil ("Objective"). Kein Inhaltsverzeichnis. Und kein Deckblatt als Teil des Lebenslaufs, denn das ist ein eigenes Dokument mit eigenen Regeln.

Der Kopfbereich verdient mehr Aufmerksamkeit, als er meistens bekommt. Er ist der einzige Teil, den garantiert jeder liest. Dorthin gehören dein voller Name, eine Adresse, eine erreichbare Telefonnummer und eine seriöse E-Mail-Adresse. Wenn deine Adresse aus Studienzeiten noch auf eine Wohngemeinschaft in einer anderen Stadt zeigt, ist das ein Problem: Viele Unternehmen sortieren nach Pendelentfernung. Umgekehrt kann ein Zusatz wie "Umzug nach Hamburg zum 1.10. geplant" eine Absage verhindern, die sonst kommentarlos gekommen wäre.

Die richtige Reihenfolge: antichronologisch

Neueste Station zuerst, dann rückwärts. Das gilt für jeden Block einzeln, also für die Berufserfahrung genauso wie für die Ausbildung. Der Grund ist banal: Was du zuletzt gemacht hast, sagt am meisten darüber, was du morgen kannst. Wer chronologisch von der Grundschule an aufbaut, zwingt den Leser, sich bis zur relevanten Information durchzuarbeiten.

Es gibt genau zwei Situationen, in denen die reine Chronologie in Frage kommt. Die erste sind Bewerbungen im öffentlichen Dienst, wo Formulare gelegentlich eine lückenlose Aufstellung von vorn verlangen. Die zweite ist der funktionale Lebenslauf, der nach Kompetenzfeldern statt nach Zeit gegliedert ist. Er wird oft empfohlen, wenn jemand viele Wechsel oder Lücken hat, und er ist meistens ein Fehler: Personalverantwortliche kennen den Trick und lesen ihn als Versuch, etwas zu verstecken. Wie du Brücken im Werdegang besser erklärst, steht im Artikel zu Lücken im Lebenslauf.

Wechselst du in ein ganz neues Berufsfeld, bleibt die antichronologische Form trotzdem die richtige. Der Hebel liegt woanders: im Kurzprofil und in den Ergebniszeilen, die übertragbare Fähigkeiten nach vorn holen statt der Branche. Eine Filialleiterin, die in die Logistik will, schreibt nicht "Verkauf", sondern "Personaleinsatzplanung für 14 Mitarbeitende, Warenverfügbarkeit, Inventurverantwortung". Dieselbe Station, andere Übersetzung.

Datumsangaben schreibst du einheitlich. Zwei Formate sind üblich: 03/2021 - heute oder März 2021 - heute. Entscheide dich für eins und zieh es durch. Monatsgenau ist Standard, jahresgenau wirkt schnell so, als solle etwas verschwimmen. Laufende Tätigkeiten bekommen "heute" oder "bis heute", nicht das aktuelle Datum.

Persönliche Daten: Pflicht und Kür

Pflicht ist in Deutschland erstaunlich wenig. Verlangt werden darf nur, was für die Stelle wirklich zählt, und das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verbietet die Benachteiligung wegen Herkunft, Geschlecht, Religion, Behinderung, Alter und sexueller Identität. Praktisch heißt das: Name und Kontaktdaten braucht der Arbeitgeber, alles andere gibst du freiwillig.

Das Foto. Niemand darf es fordern. In der Praxis erwarten es viele deutsche Personalabteilungen weiterhin, besonders im Mittelstand und im Handel. Ein professionelles Bild wirkt, ein Urlaubsschnappschuss mit abgeschnittener Schulter schadet. Bewirbst du dich international oder bei einem Unternehmen, das anonymisierte Verfahren nutzt, lässt du es weg. Die Abwägung mit allen Argumenten steht im Artikel Bewerbung ohne Foto.

Das Geburtsdatum. Freiwillig. Es wegzulassen ist zulässig und wird niemandem als Verheimlichung ausgelegt. Wer älter ist und Sorge vor Altersfiltern hat, kann es streichen. Wer sehr jung ist und Berufserfahrung vorweist, lässt es besser stehen, sonst rechnet der Leser nach.

Familienstand, Kinder, Konfession, Nationalität. Gehören nicht hinein. Sie sagen nichts über die Arbeit und öffnen genau die Türen, die das AGG schließen will. Eine Ausnahme sind kirchliche Träger, bei denen die Konfession Teil des Anforderungsprofils sein kann.

Was stattdessen Platz verdient. Ein Kurzprofil von drei bis vier Zeilen direkt unter dem Kopf. Es beantwortet in eigenen Worten, was du bist, wie lange du das machst und was du für diese Stelle mitbringst. Drei Sätze, die zur Anzeige passen, sind mehr wert als jede Angabe zum Familienstand.

Ein Beispiel, wie ein Kurzprofil klingt, wenn es arbeitet:

Industriekaufmann mit acht Jahren Erfahrung im technischen Einkauf, Schwerpunkt Lieferantenentwicklung und Rahmenverträge. Zuletzt verantwortlich für ein Beschaffungsvolumen von 4 Millionen Euro. Suche eine Position, in der ich Einkauf und Produktionsplanung enger verzahnen kann.

Wichtig: Was hier steht, muss weiter unten belegt sein. Ein Kurzprofil, das Dinge behauptet, die in keiner Station auftauchen, fällt im Gespräch auseinander.

Bewirbst du dich auf Englisch oder bei einem internationalen Arbeitgeber in Deutschland, gelten teils andere Konventionen: kein Foto, kein Geburtsdatum, keine Unterschrift, dafür eine deutlich stärkere Betonung von Ergebnissen. Der Vergleich beider Formen steht im Artikel zum englischen CV.

Berufserfahrung, die nach etwas klingt

Hier entscheidet sich, ob ein Lebenslauf überzeugt. Die meisten schreiben an dieser Stelle ihre Stellenbeschreibung ab. Das Ergebnis liest sich wie ein Arbeitsvertrag und sagt nichts darüber, ob jemand gut war.

Jede Station bekommt vier Angaben: Zeitraum, Jobtitel, Arbeitgeber mit Ort, und darunter zwei bis fünf Zeilen zu dem, was du getan und erreicht hast. Bei älteren oder fachfremden Stationen reicht eine Zeile oder gar keine.

Der Unterschied zwischen einer Aufgabe und einem Ergebnis:

Zuständig für die Betreuung von Kunden im Bereich Nord.

Das könnte jeder geschrieben haben, der jemals diesen Titel getragen hat. Verglichen damit:

40 Bestandskunden im Norden betreut, Kündigungsquote in zwei Jahren von 12 auf 7 Prozent gesenkt, zwei Großkunden zurückgewonnen.

Die zweite Fassung ist nicht länger, sie ist konkreter. Sie nennt Umfang, Richtung und Ergebnis. Wenn du keine Zahlen hast, nimm Größen: wie viele Menschen im Team, wie viele Fälle pro Woche, wie viele Standorte, welches Budget, welche Systeme. Auch das ist Substanz.

Ein paar Handgriffe, die fast immer wirken:

  • Aktive Verben an den Zeilenanfang. Aufgebaut, eingeführt, verhandelt, verantwortet, umgestellt. Nicht "war zuständig für".
  • Vom Wichtigsten nach unten. Die erste Zeile einer Station ist die, die gelesen wird.
  • Auf die Anzeige zuschneiden. Wenn die Stelle Projektsteuerung betont, gehört deine Projekterfahrung nach oben, auch wenn sie im Alltag nur ein Drittel ausmachte.
  • Werkzeuge benennen. Nicht "diverse Warenwirtschaftssysteme", sondern SAP, Datev, Lexware. Diese Wörter sucht auch die Software, die deine Bewerbung zuerst liest.

Ein vollständiges Beispiel, wie eine Station am Ende aussieht:

03/2021 - heute · Teamleiterin Kundenservice · Nordlicht Versand GmbH, Kiel Fachliche Führung von neun Mitarbeitenden im First- und Second-Level-Support. Bearbeitungszeit je Ticket von 14 auf 9 Minuten gesenkt, nachdem ich die Zuordnung nach Themen statt nach Eingangsreihenfolge eingeführt habe. Einführung von Zendesk begleitet, Schulungsunterlagen für den Standort erstellt.

Drei Zeilen, und der Leser weiß, welche Verantwortung du hattest, was du verändert hast und mit welchem System du arbeitest. Genau diese drei Ebenen sucht er.

Zwei Fälle brauchen eine Sonderbehandlung. Zeitarbeit schreibst du mit dem Verleiher als Arbeitgeber und den Einsatzbetrieben darunter, sonst sieht der Werdegang nach einem Wechsel pro Quartal aus. Selbstständigkeit bekommt einen klaren Titel ("Freiberufliche Texterin"), eine Zeile zu den typischen Kunden oder Branchen und, wenn du magst, die Zahl der Projekte pro Jahr. Unerklärte Selbstständigkeit weckt genau die Rückfrage, die du im ersten Gespräch nicht brauchst.

Wenn du bisher wenig Berufliches vorzuweisen hast, verschiebt sich das Gewicht nach unten zu Ausbildung, Praktika und Projekten. Wie das sauber gelingt, steht im Text für Berufseinsteiger.

Ausbildung und Studium

Auch hier: neueste Station zuerst. Bei einem Studium nennst du Abschluss, Studienfach, Hochschule, Ort und Zeitraum. Die Abschlussnote gehört dazu, wenn sie gut ist oder die Anzeige danach fragt. Schwerpunkte und Abschlussarbeit lohnen sich, solange sie zur Stelle passen. Das Thema einer Masterarbeit über mittelalterliche Handschriften hilft bei einer Bewerbung im Vertrieb niemandem.

Bei einer Ausbildung nennst du Berufsbezeichnung, Betrieb und Ort. Die Berufsschule braucht keinen eigenen Eintrag.

Die Schulzeit schrumpft mit jedem Berufsjahr. In den ersten Jahren nach dem Abschluss steht dort die höchste erreichte Schulform mit Abschluss, Ort und Jahr. Nach fünf bis zehn Berufsjahren reicht eine Zeile. Die Grundschule gehört in keinen Lebenslauf, egal wie leer die Seite wirkt.

Weiterbildungen bekommen einen eigenen Block, sobald du mehr als zwei hast. Wichtig sind Titel, Anbieter und Jahr. Ein zweitägiges Seminar ist kein Zertifikat und sollte auch nicht so aussehen. Wenn du eine geförderte Weiterbildung planst oder gerade machst, lohnt ein Blick auf die Weiterbildungs-Suche: Kurse mit anerkanntem Abschluss wiegen im Lebenslauf deutlich schwerer als Teilnahmebescheinigungen.

Kenntnisse, Sprachen, Soft Skills

Dieser Block ist der am meisten unterschätzte im ganzen Dokument. Er ist kurz, er wird schnell gelesen, und er entscheidet oft über die Vorauswahl, weil hier die Begriffe stehen, nach denen gesucht wird.

Software und Fachkenntnisse nennst du konkret und mit Niveau. Nicht "gute EDV-Kenntnisse", sondern "Excel (Pivot, SVERWEIS, Power Query), SAP MM, Confluence". Ein Niveau anzugeben ist ehrlich und hilft: Grundkenntnisse, sicher, sehr sicher. Wer alles auf "Experte" setzt, wird im Gespräch überprüft.

Sprachen nach dem Europäischen Referenzrahmen: A1 bis C2, dazu die übliche Klartextform. "Englisch: verhandlungssicher (C1)" ist verständlich und prüfbar. Muttersprache ist Muttersprache, nicht C2.

Soft Skills sind der Ort, an dem die meisten Lebensläufe abstürzen. Teamfähig, belastbar, kommunikationsstark: Diese drei Wörter stehen in gefühlt jeder zweiten Bewerbung und beweisen nichts. Wenn du sie nennst, dann mit Beleg an anderer Stelle. Besser ist, sie wegzulassen und die Belege sprechen zu lassen. Wer sich schwer damit tut, seine Stärken überhaupt zu benennen, findet in der Stärken-Sammlung eine Struktur dafür.

Die Reihenfolge innerhalb des Blocks ist kein Zufall. Ganz oben steht, was in der Anzeige gefordert wird, danach alles Weitere. Wer sich auf eine Stelle mit Schwerpunkt Buchhaltung bewirbt, fängt mit Datev an und nicht mit PowerPoint. Und wer eine Anforderung nicht erfüllt, lässt die Zeile lieber weg, statt "Grundkenntnisse" zu schreiben: Grundkenntnisse in einer Kernanforderung lesen sich schlechter als Schweigen.

Design und Länge: was Personaler lesen

Ein Lebenslauf soll nicht auffallen, er soll lesbar sein. Das klingt unspektakulär und ist die häufigste Ursache für schlechte Dokumente: Bewerber gestalten gegen die Lesbarkeit an.

Praktische Leitplanken:

  • Schrift in 10 bis 11 Punkt, eine gut lesbare Familie, höchstens zwei Schriften im ganzen Dokument.
  • Ränder von rund zwei Zentimetern. Wer sie auf einen halben zusammenschiebt, um alles unterzubringen, hat ein Inhaltsproblem, kein Platzproblem.
  • Eine Akzentfarbe, ruhig gesetzt: Überschriften, eine dünne Linie, vielleicht der Name. Nicht drei Farben, keine Farbverläufe.
  • Keine Kompetenzbalken. Vier von fünf Sternen bei "Excel" ist eine Behauptung ohne Maßstab, und in einer reinen Textvorschau verschwindet sie spurlos.
  • Weißraum ist kein verschenkter Platz. Er ist der Grund, warum ein Dokument in fünf Sekunden erfassbar ist.

Zur Länge: eine Seite für den Einstieg, zwei ab mehreren Jahren Erfahrung. Die dritte Seite braucht einen sehr guten Grund, etwa eine lange Publikationsliste in der Wissenschaft. Wie du kürzt, ohne Substanz zu verlieren, steht im Artikel zur Länge des Lebenslaufs.

Zwei Bereiche spielen nach eigenen Regeln. Im öffentlichen Dienst zählt Vollständigkeit mehr als Gestaltung: lückenlose Zeiträume, klare Amtsbezeichnungen, zurückhaltendes Layout, oft ein vorgegebenes Formular zusätzlich zum eigenen Lebenslauf. In der Wissenschaft ist der Lebenslauf länger und trägt eigene Blöcke für Publikationen, Vorträge, Lehre und Drittmittel. Beides sind Ausnahmen, keine Vorlage für den Rest.

Mehrseitige Lebensläufe brauchen auf jeder Seite eine Fußzeile mit Namen und Seitenzahl. Das ist der eine Fall, in dem eine Fußzeile sinnvoll ist. Wichtig bleibt: Deine Kontaktdaten stehen trotzdem im Fließtext des Kopfbereichs, nicht nur dort unten.

Am Ende folgen Ort, Datum und Unterschrift. Pflicht ist das nicht, üblich schon, und es kostet dich zwei Minuten. Digital funktioniert es genauso: eine auf weißem Papier unterschriebene Zeile abfotografieren oder scannen, freistellen und als Bild einsetzen. Wichtig ist nur, dass das Datum zur Bewerbung passt und nicht drei Monate alt ist.

Was Bewerbermanagementsysteme sehen

Bevor ein Mensch deinen Lebenslauf liest, liest ihn oft eine Software. Ein Bewerbermanagementsystem, kurz ATS, nimmt dein PDF entgegen, zerlegt es in Felder und legt daraus einen Datensatz an. Bekannte Systeme sind Personio, SAP SuccessFactors, Greenhouse, Lever und Workday.

Zwei Missverständnisse halten sich hartnäckig. Das erste: Ein ATS lehne automatisch ab. Das tun die wenigsten. Sie sortieren, filtern und machen durchsuchbar. Das zweite ist gefährlicher: Weil das System nicht ablehnt, sei es egal, was es liest. Ist es nicht. Was der Parser nicht erkennt, taucht in keiner Suche auf, und wer nicht gefunden wird, wird nicht abgelehnt, sondern übersehen.

Daran scheitern Parser regelmäßig:

  • Text in Kopf- und Fußzeilen, besonders Kontaktdaten
  • mehrspaltige Layouts, die in falscher Reihenfolge ausgelesen werden
  • Tabellen, Textfelder und Grafiken mit eingebettetem Text
  • Bilder statt Text, etwa ein eingescannter Lebenslauf
  • exotische Schriften, bei denen die Zeichenzuordnung fehlt

Die Gegenmaßnahme ist unspektakulär: einspaltig aufbauen, Überschriften als echte Überschriften setzen, Kontaktdaten in den Textfluss statt in die Kopfzeile, und als echtes Text-PDF exportieren statt als Bild. Ein zweispaltiges Layout ist nicht verboten, aber es ist eine Wette darauf, dass die Gegenseite ein modernes System einsetzt. Kennst du das Unternehmen nicht, gewinnst du mit der einspaltigen Variante mehr, als du an Optik verlierst.

Der Selbsttest dauert eine Minute: Öffne dein PDF, markiere alles, kopiere es in einen Texteditor. Steht dort alles, in der richtigen Reihenfolge, ohne Zeichensalat, kommt auch die Software damit zurecht. Fehlt der Name, weil er in der Kopfzeile steht, hast du gerade einen Fehler gefunden, der dich sonst Bewerbungen gekostet hätte. Tiefer geht der Artikel zum ATS-Lebenslauf; die passenden Begriffe aus einer konkreten Anzeige zieht dir der Stellencheck heraus.

Die zehn häufigsten Fehler

  1. Die Stellenbeschreibung abgeschrieben. Aufgaben statt Ergebnisse. Der häufigste und teuerste Fehler.
  2. Ein Lebenslauf für alle Stellen. Wer nichts anpasst, verschenkt genau die Passung, nach der gesucht wird.
  3. Unerklärte Lücken. Nicht die Lücke schadet, sondern das Schweigen darüber.
  4. Tippfehler im eigenen Namen oder in der Firmenbezeichnung. Passiert öfter, als man glaubt, meist beim schnellen Anpassen.
  5. Kontaktdaten in der Kopfzeile. Sieht sauber aus, verschwindet im Parser.
  6. Fantasie-Jobtitel. "Chief Happiness Ninja" mag im alten Unternehmen gelten, im Suchfeld findet ihn niemand. Nenne den üblichen Titel und den internen in Klammern.
  7. Veraltete oder unseriöse E-Mail-Adresse. Vorname punkt Nachname genügt.
  8. Bewertungsbalken statt Belegen. Sehen modern aus, sagen nichts.
  9. Kein PDF. Word-Dateien verschieben sich auf fremden Rechnern, und nachträgliche Änderungen sind sichtbar.
  10. Dateiname wie lebenslauf_final_2.pdf. Nimm Lebenslauf_Vorname_Nachname.pdf, das erleichtert die Ablage auf der anderen Seite.

So sieht ein fertiger Lebenslauf aus

Wenn du diesen Guide auf dein eigenes Dokument anwendest, arbeite in dieser Reihenfolge. Erst der Inhalt, dann die Form, zuletzt der Feinschliff:

  1. Alle Stationen sammeln, ungefiltert, mit Zeiträumen.
  2. Die Anzeige lesen und markieren, was dort wirklich gefordert ist.
  3. Zu jeder relevanten Station zwei bis vier Ergebniszeilen schreiben.
  4. Kenntnisse und Sprachen ergänzen, mit ehrlichem Niveau.
  5. Kürzen, bis alles auf eine oder zwei Seiten passt.
  6. Als PDF exportieren und den Kopiertest machen.
  7. Von einer zweiten Person gegenlesen lassen.

Für die Form musst du nicht bei null anfangen. Die Lebenslauf-Vorlagen bringen die Struktur schon mit, inklusive einer bewusst schlichten Variante ohne Foto und Grafik für Verfahren, in denen der Parser das letzte Wort hat. Wer lieber vom eigenen Beruf aus einsteigt, findet im Vorlagen-Katalog Muster mit passenden Formulierungen. Und wenn du sehen willst, was sonst noch an deiner Bewerbung hängt, vom Stellencheck bis zur Nachverfolgung, liegt alles in der Übersicht der Karriere-Tools.

Zwei Punkte aus dieser Liste werden regelmäßig übersprungen, und beide kosten am meisten. Der Kopiertest deckt Layoutfehler auf, die du im PDF nicht siehst. Und das Gegenlesen findet die Sätze, die für dich selbstverständlich klingen und für Fremde rätselhaft sind, weil sie internes Vokabular enthalten. Gib das Dokument jemandem, der nicht in deiner Branche arbeitet. Wenn diese Person nach zwei Minuten sagen kann, was du machst und was du gut kannst, ist der Lebenslauf fertig.

Und dann noch etwas, das gern vergessen wird: Ein Lebenslauf ist nie fertig für alle Zeit. Halte eine Grundfassung aktuell und leite davon je Bewerbung eine zugeschnittene Version ab. Der Aufwand dafür beträgt nach dem ersten Mal zehn Minuten, und er ist der Unterschied zwischen einer Bewerbung, die passt, und einer, die zufällig passen könnte.

Ein guter Lebenslauf ist kein Kunstwerk. Er ist ein sauber gebautes Arbeitsdokument, das in fünf Sekunden die richtige Antwort gibt. Den Rest erledigt das Gespräch, in das er dich bringt.

Häufige Fragen

Wie lang darf ein Lebenslauf sein?

Eine Seite für Berufseinsteiger, höchstens zwei ab einigen Jahren Erfahrung. Entscheidend ist nicht die Seitenzahl, sondern dass jede Zeile etwas mit der Zielstelle zu tun hat. Drei Seiten liest kaum jemand freiwillig zu Ende.

Muss ein Foto in den deutschen Lebenslauf?

Nein. Niemand darf ein Foto verlangen, das AGG steht dagegen. Üblich ist es in Deutschland trotzdem. Ein gutes Foto kann helfen, ein schlechtes schadet zuverlässig. Im Zweifel lässt du es weg.

Muss ich unterschreiben?

Pflicht ist es nicht. In Deutschland wirkt eine Unterschrift unter Ort und Datum trotzdem verbindlich und wird von vielen Personalabteilungen erwartet. Bei Online-Formularen, in denen du Felder ausfüllst statt eine Datei hochzuladen, entfällt die Frage.

Welche Hobbys gehören rein?

Nur solche, die etwas belegen, das zur Stelle passt: Mannschaftssport für Teamarbeit, Ehrenamt für Verantwortung, ein eigenes Projekt für Eigeninitiative. Fernsehen, Lesen und Reisen sagen nichts und kosten Platz.

Was lasse ich weg?

Alles, was nicht für die Stelle spricht und nicht zur Erklärung deines Werdegangs nötig ist: Grundschule, Konfession, Familienstand, das Gehalt der letzten Stelle, Schulnoten nach den ersten Berufsjahren. Weglassen ist erlaubt, lügen nicht.

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