International bewerben
Lebenslauf

CV auf Englisch: die Unterschiede, die zählen

Kein Foto, kein Geburtsdatum, andere Länge: Ein englischer CV ist keine Übersetzung deines Lebenslaufs, sondern ein eigenes Dokument. Hier steht, was du wirklich ändern musst.

Cagri Ersöz ·

Du hast deinen Lebenslauf ins Englische übersetzt, sauber formuliert, das Foto oben rechts gelassen, und dann kam nichts zurück. Das liegt selten an deinem Englisch. Ein englischer CV ist keine Übersetzung des deutschen Lebenslaufs, sondern ein eigenes Dokument mit eigenen Regeln: andere Angaben, andere Reihenfolge, andere Sprache in den Stichpunkten. Die Grundlagen zu Aufbau und Inhalt stehen im kompletten Lebenslauf-Guide, hier geht es nur um das, was sich beim Sprachwechsel ändert.

CV oder Resume: was das Wort im Zielland bedeutet

Die beiden Wörter meinen nicht dasselbe, und daher stammt die erste Verwirrung. In den USA und Kanada ist das Resume das normale Bewerbungsdokument: ein bis zwei Seiten, auf die Stelle zugeschnitten. Ein CV, ausgeschrieben Curriculum Vitae, ist dort ein akademisches Dokument, das über Jahre wächst und Publikationen, Konferenzbeiträge und Lehrerfahrung auflistet. Wer sich in Boston mit einem sechsseitigen CV auf eine Marketingstelle bewirbt, wirkt, als hätte er die Anzeige nicht gelesen.

In Großbritannien, Irland, Australien und Neuseeland heißt genau dieses normale Bewerbungsdokument CV. Zwei Seiten sind dort üblich, und niemand erwartet eine Publikationsliste. Auch die EU-Institutionen und das Europass-Format sprechen von CV.

Die praktische Regel ist einfach: Nimm das Wort, das in der Stellenanzeige steht, und die Konventionen des Landes, in dem die Stelle sitzt. Nicht die des Hauptsitzes. Das Berliner Büro eines amerikanischen Konzerns stellt nach deutschem Arbeitsrecht ein und liest deutsche Unterlagen, auch wenn die Anzeige auf Englisch verfasst ist.

Was im englischen CV wegfällt

Der auffälligste Unterschied ist das, was nicht mehr dasteht:

  • Foto. In den USA und Großbritannien sortieren viele Recruiter bebilderte Unterlagen aus, weil ein Foto Merkmale sichtbar macht, nach denen im Auswahlverfahren nicht gefragt werden darf. Manche Firmen entfernen es sogar vor der Weitergabe an die Fachabteilung.
  • Geburtsdatum, Geburtsort, Nationalität. Alter und Herkunft gehören nicht ins Dokument. Deine Arbeitserlaubnis erwähnst du nur, wenn sie eine Rolle spielt, dann reicht eine Zeile wie „Eligible to work in the EU“.
  • Familienstand und Kinder. Im deutschen Lebenslauf sind sie freiwillig, im englischen sind sie ein Fauxpas.
  • Ort, Datum, Unterschrift. Die deutsche Schlussformel gibt es nicht. Ein CV wird nicht unterschrieben.
  • Deckblatt. Ein eigenes Titelblatt kennt der angelsächsische Raum nicht.
  • Zeugnisse im Anhang. Statt Arbeitszeugnissen nennt man Referenzpersonen, und die meistens erst auf Nachfrage.

Dahinter steckt keine Modeerscheinung, sondern gelebte Vorsicht vor Diskriminierungsvorwürfen. In Deutschland verbietet das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz Benachteiligung ebenso, nur hat sich hier die Fototradition gehalten. Warum auch das ins Wanken gerät, steht in Bewerbung ohne Foto.

Dafür kommt etwas dazu, das der deutsche Lebenslauf meistens nicht hat: ein kurzer Block ganz oben, das Professional Summary. Drei bis vier Zeilen, die sagen, wer du bist und wofür man dich holt. Im englischen CV ist er der erste Eindruck, und er entscheidet, ob der Rest überhaupt gelesen wird.

Aufbau Abschnitt für Abschnitt

Die Reihenfolge bleibt antichronologisch wie in Deutschland, die Blöcke heißen anders und enthalten anderes.

Header. Name, Stadt und Land, Telefonnummer mit Ländervorwahl, E-Mail und LinkedIn-Profil. Die vollständige Straßenanschrift lässt du weg, „Munich, Germany“ genügt. Die E-Mail-Adresse besteht aus Vor- und Nachname, nicht aus einem Spitznamen von 2009.

Professional Summary. Vier Zeilen oder drei Stichpunkte: Rolle, Erfahrung, Schwerpunkt, Ziel. Zum Beispiel: „Supply chain planner with six years in automotive manufacturing. Focused on demand forecasting and supplier development across Germany and Poland.“

Work Experience. Je Station Position, Arbeitgeber, Ort, Zeitraum, darunter drei bis fünf Stichpunkte, die Ergebnisse benennen statt Aufgaben aufzuzählen.

Education. Abschluss, Hochschule, Jahr. Schulnoten unterhalb der Hochschulreife interessieren nur Berufseinsteiger.

Skills. Werkzeuge, Systeme und Methoden im Klartext. Sprachen mit Niveau nach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen, ergänzt um ein Wort, das auch außerhalb Europas verstanden wird: „German (C1, fluent)“.

Optional. Zertifikate, Publikationen, Ehrenamt, relevante Nebenprojekte.

Was bleibt, ist die klare antichronologische Struktur. Was geht, ist die Vollständigkeit um jeden Preis. Ein Resume ist ein Verkaufsdokument, kein Archiv: Alles, was auf die Zielstelle nicht einzahlt, darfst du streichen, ohne dich dafür zu rechtfertigen. Vorlagen, die beide Logiken abbilden, stehen unter Lebenslauf-Vorlagen.

Action Verbs statt Substantivketten

Deutsche Lebensläufe beschreiben Zuständigkeiten, englische beschreiben Taten. Das ist kein Stilgeschmack, sondern der Unterschied zwischen „war dabei“ und „hat es gemacht“. Jeder Stichpunkt beginnt mit einem Verb, im Präteritum für abgeschlossene Stationen, im Präsens für die aktuelle.

Drei Beispiele, jeweils die naheliegende Übersetzung und die Fassung, die wirkt:

  • „Zuständig für die Betreuung von Bestandskunden“ wird nicht zu „Responsible for the support of existing customers“, sondern zu „Managed 40 key accounts and grew repeat orders year on year“.
  • „Mitarbeit im Projekt zur Einführung von SAP S/4HANA“ wird zu „Rolled out SAP S/4HANA at three plants as part of a five-person project team“.
  • „Durchführung von Schulungen für neue Mitarbeiter“ wird zu „Trained 25 new hires and cut onboarding from six weeks to four“.

„Responsible for“ ist das englische „zuständig für“ und genauso blass. Brauchbare Verben sind led, built, launched, migrated, negotiated, streamlined, reduced, secured und delivered. Das Wort „I“ kommt im CV nicht vor, ganze Sätze auch nicht.

Zum Schluss eine Kleinigkeit mit großer Wirkung: Entscheide dich für britisches oder amerikanisches Englisch und bleib dabei. „Organised“ und „organized“ im selben Dokument fallen jedem Muttersprachler sofort auf, und zwar unangenehm.

Typische Übersetzungsfallen

Die meisten Pannen entstehen nicht beim Vokabular, sondern bei Dingen, die im Deutschen selbstverständlich sind.

  • Noten. Eine 1,3 liest sich in den USA wie ein Ausrutscher, denn dort ist 4.0 die Bestnote. Schreib „1.3 (German scale: 1.0 is the highest grade)“ und benutze den Punkt statt des Kommas.
  • Abschlüsse. „Ausbildung“ ist kein „education“, sondern „vocational training“ oder „apprenticeship“. Das Abitur wird zu „Abitur (German university entrance qualification)“. Ob es für dein Zielland eine offizielle Entsprechung gibt, sagt dir die Datenbank anabin der Kultusministerkonferenz.
  • Daten. 03/04/2022 ist in London der 3. April und in Chicago der 4. März. Schreib die Monate aus: „March 2022 to present“.
  • Firmennamen. Die Müller GmbH bleibt die Müller GmbH. Was hilft, ist ein Halbsatz zur Einordnung: „a mid-sized mechanical engineering company with sites in Germany and Poland“.
  • Städte. Munich, Cologne und Nuremberg haben etablierte englische Formen, Freiburg und Ingolstadt nicht. Erfinde keine.
  • Falsche Freunde. Ein „Chef“ ist im Englischen ein Koch, ein Konzern ist ein „group“ und kein „concern“, und für „Prokura“ brauchst du eine Erklärung statt einer Übersetzung.

Ein Test spart dir das Rätselraten: Zeig den fertigen CV jemandem, der kein Deutsch spricht, und frag, was er nicht versteht. Jede Rückfrage markiert eine Stelle, an der auch ein Recruiter stolpert.

Auf Englisch bewerben bei deutschen Firmen

Der häufigste Fall ist gar nicht die Bewerbung in London oder Boston, sondern die englische Bewerbung bei einem deutschen Arbeitgeber. Dafür gilt eine eigene Mischung.

Die Sprache richtet sich nach der Anzeige. Steht sie auf Englisch, bewirbst du dich auf Englisch. Steht sie auf Deutsch, bewirbst du dich auf Deutsch, auch wenn im Logo ein amerikanischer Name steht. Eine englische Bewerbung auf eine deutsche Anzeige liest sich sonst wie ein Hinweis darauf, dass es mit dem Deutschen nicht reicht.

Die Form bleibt dagegen oft deutsch. Viele Unternehmen erwarten weiterhin ein Anschreiben, lückenlose Zeiträume und Zeugnisse im Anhang, selbst wenn das Dokument auf Englisch verfasst ist. Ein einseitiges Resume nach US-Vorbild wirkt hier eher dünn als knackig.

Und noch etwas Praktisches: Behalte deutsche Fachbegriffe für deutsche Systeme und Prozesse. Niemand sucht im Bewerbermanagementsystem nach „travel expense accounting“, wenn die Sache im Haus Reisekostenabrechnung heißt. Warum das über deine Auffindbarkeit entscheidet, erklärt ATS verstehen.

Am Ende brauchst du zwei gepflegte Fassungen, eine deutsche und eine englische, und keine davon als Notlösung. Das ist weniger Arbeit, als es klingt, wenn beide aus denselben Daten entstehen und du nur noch die Konventionen tauschst.

Häufige Fragen

Britisches oder amerikanisches Englisch?

Richte dich nach dem Land, in dem die Stelle sitzt, und halte die Variante dann konsequent durch. Für Dublin oder Manchester schreibst du „organised“, für New York „organized“. Bei einem internationalen Team in Deutschland ist beides in Ordnung, solange du innerhalb eines Dokuments nicht wechselst.

Muss ich meine Arbeitszeugnisse übersetzen?

Für angelsächsische Arbeitgeber meistens nicht, dort sind Zeugnisse unbekannt und Referenzpersonen üblich. Bewirbst du dich auf Englisch bei einem deutschen Unternehmen, hängst du die deutschen Zeugnisse unübersetzt an und stellst zwei erklärende Sätze voran. Eine beglaubigte Übersetzung lohnt nur, wenn die Anzeige sie ausdrücklich verlangt.

Gehört ein Foto in den englischen CV?

Nein. In den USA und Großbritannien ist ein Foto unüblich und schafft für den Arbeitgeber ein Risiko, das er nicht braucht. Auch Geburtsdatum, Familienstand und Nationalität bleiben draußen. Nur bei einer englischen Bewerbung an ein deutsches Unternehmen kannst du das Foto behalten.

Wie übersetze ich deutsche Abschlüsse?

Erklären statt übersetzen. Setze den deutschen Begriff hin und ergänze eine Klammer, die ihn einordnet, etwa „Ausbildung zur Industriekauffrau (three-year dual apprenticeship in business administration)“. So bleibt der Abschluss nachprüfbar, und der Leser versteht trotzdem, worum es geht.

Englische Fassung per KI

Jobvin baut aus deinem Lebenslauf eine englische Kopie, mit passenden Datums- und Notenkonventionen. Dein deutsches Original bleibt unverändert.

Im Editor übersetzen